Areal Wolf – Basel, Teilprojekt MF05
Zirkulärer Wohnungsneubau mit Bauteilwiederverwendung
Vierstufiger selektiver Studienauftrag
Stufe 1 – Ideenbasierte Präqualifikation
in Kollaboration mit Annette Gerteiser und Jorge Marinho
Als Schnittstelle zwischen Innenstadt und neuem Quartier markiert der Baukörper MF05 den städtebaulichen Auftakt des Areals Wolf. Er interpretiert die Geschichte des Ortes über das Prinzip der Wiederverwendung: Bauteile aus den rückzubauenden Industriehallen werden sorgfältig ausgewählt, aufbereitet und in neuer räumlicher Logik eingesetzt. So entsteht eine Architektur, die den industriellen Ursprung sichtbar macht und gleichzeitig ein Pilotprojekt für zirkuläres Bauen realisiert.
Die vorgegebene Setzung reagiert auf die anspruchsvolle Lage zwischen Verkehrsachsen und lärmgeschütztem Innenhof. Eine robuste, geschlossene Westfassade bildet den Lärmpuffer, während sich die hofseitigen Fassaden großzügig öffnen und mit Begrünung und differenzierter Gliederung ein angenehmes Mikroklima schaffen. Die überhohe Erdgeschosszone bietet flexibel nutzbare Gemeinschaftsflächen, die heute dem Wohnen dienen und sich zukünftig an neue Bedürfnisse anpassen lassen.
Das Wohnungsangebot ist bewusst vielfältig und schaltbar konzipiert: kompakte, flächeneffiziente Grundrisse, gemeinschaftlich nutzbare Zonen und ein hoher Anteil an gemeinschaftsbildenden Räumen fördern soziale Durchmischung und kurze Wege im Alltag. Dachflächen und Fassaden sind in das übergeordnete Energie- und Wassermanagement des Areals integriert – Photovoltaik, Retentionsbegrünung und Regenwassernutzung leisten einen aktiven Beitrag zur Klimaanpassung.
Die in den 1950er Jahren von Hermann Frey errichtete Primarschulanlage Bannfeld in Olten ist geprägt durch eine lineare Pavillonstruktur des Hauptbaus sowie drei ergänzende Einzelbaukörper für Turnhalle, Singsaal und Kindergarten. Diese ausgelagerten Sondernutzungen zeichnen sich durch eine heterogene Struktur aus, die in ihrer äusseren Ablesbarkeit ihren architektonischen Ausdruck findet. Ein gedecktes Erschliessungssystem durchzieht die Anlage, dessen Betonflachdach auf schlanken Rundstützen ruht und die verschiedenen Baukörper miteinander verbindet.
Neben der architektonischen Qualität des Ensembles ist dessen Einbettung in die komplexe Topographie ein zentrales Thema. Der identitätsstiftende Naturraum mit seinem prägenden Baumbestand wird integraler Bestandteil des Konzepts und beeinflusst Geometrie, Typologie und städtebauliche Setzung des Neubaus. Das vorgeschlagene Projekt verfolgt den Ansatz eines Erweiterungsbaus, der den Bestand weiterdenkt und diesen respektvoll, aber dennoch eigenständig komplettiert. Die Integration eines Re-Use Konzepts erfordert von Beginn an ein Verständnis für eine Konstruktion, die flexibel auf bauliche Toleranzen aus dem urbanen Materialkreislauf reagiert, ohne dabei die architektonische Integrität und gestalterische Präzision zu gefährden.
Der Neubau positioniert sich als quadratisches Volumen auf dem heutigen Parkplatz und fügt sich in die Verkettung der Einzelbaukörper ein. Durch minimalinvasive Erdbewegungen und den Verzicht auf eine Bodenplatte wird der ökologische Fussabdruck des Neubaus signifikant reduziert.
Der Entwurf nimmt die Haltung der bestehenden Einzelbaukörper auf und überführt sie in eine neue Typologie. Ein zentrales Anliegen ist dabei, dem Kindergarten eine klare Adressierung zu verleihen. Ein auf Erdgeschossniveau situierter Hauptzugang bietet eine intuitive Orientierung für Kinder, Eltern und Betreuungspersonal und stärkt die Verbindung zum gedeckten Aussenraum. Die vertikale Organisation um einen zentralen Erschliessungskern folgt einem punktsymmetrischen Prinzip. Die innere Struktur dreht sich dabei um 45° zur orthogonalen Gebäudehülle und ermöglicht so die gleichwertige Anordnung aller Haupt- und Gruppenräume entlang der Fassade. Das zentrale Treppenmöbel fungiert als betriebliche Agora – Ort der Begegnung, des Spiels, der Orientierung.
Die vorgeschlagene Bauteilstrategie basiert auf einem hybriden Konstruktionsprinzip aus Stahlskelett und Holzrahmenbau. Die Primärkonstruktion bleibt sortenrein rückbaubar, während die Bauteile gezielt für Wiederverwendung ausgelegt sind. Glasbausteine als raumbildende Elemente erzeugen Transluzenz und Sichtbezüge, eine Brettsperrholzdecke dient als thermische und akustische Masse. Die Fassade in Holzrahmenbauweise mit vorgehängter Schicht reagiert auf Massvarianzen wiederverwendeter Bauteile und ermöglicht horizontale wie vertikale Anpassungen an gestalterischen Sollbruchstellen. Die Horizontalität des Ausdrucks orientiert sich an einer analytischen Transformation der Bestandsarchitektur.
So entsteht ein Neubau, der durch eine bewusst zurückhaltende Architektursprache überzeugt, sich als Teil des gewachsenen Kontexts versteht und dennoch als eigenständiger Beitrag lesbar bleibt. Zwischen Weiterbauen und Neuformulieren, zwischen Ressourcenbewusstsein und architektonischer Klarheit entsteht ein Kindergarten, der den Ort stärkt – als nachhaltiger, offener und identitätsstiftender Lern- und Lebensraum.
Areal Wolf – Basel, Teilprojekt MF05
Zirkulärer Wohnungsneubau mit Bauteilwiederverwendung
Vierstufiger selektiver Studienauftrag
Stufe 1 – Ideenbasierte Präqualifikation
in Kollaboration mit Annette Gerteiser und Jorge Marinho
Als Schnittstelle zwischen Innenstadt und neuem Quartier markiert der Baukörper MF05 den städtebaulichen Auftakt des Areals Wolf. Er interpretiert die Geschichte des Ortes über das Prinzip der Wiederverwendung: Bauteile aus den rückzubauenden Industriehallen werden sorgfältig ausgewählt, aufbereitet und in neuer räumlicher Logik eingesetzt. So entsteht eine Architektur, die den industriellen Ursprung sichtbar macht und gleichzeitig ein Pilotprojekt für zirkuläres Bauen realisiert.
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Die vorgegebene Setzung reagiert auf die anspruchsvolle Lage zwischen Verkehrsachsen und lärmgeschütztem Innenhof. Eine robuste, geschlossene Westfassade bildet den Lärmpuffer, während sich die hofseitigen Fassaden großzügig öffnen und mit Begrünung und differenzierter Gliederung ein angenehmes Mikroklima schaffen. Die überhohe Erdgeschosszone bietet flexibel nutzbare Gemeinschaftsflächen, die heute dem Wohnen dienen und sich zukünftig an neue Bedürfnisse anpassen lassen.
Das Wohnungsangebot ist bewusst vielfältig und schaltbar konzipiert: kompakte, flächeneffiziente Grundrisse, gemeinschaftlich nutzbare Zonen und ein hoher Anteil an gemeinschaftsbildenden Räumen fördern soziale Durchmischung und kurze Wege im Alltag. Dachflächen und Fassaden sind in das übergeordnete Energie- und Wassermanagement des Areals integriert – Photovoltaik, Retentionsbegrünung und Regenwassernutzung leisten einen aktiven Beitrag zur Klimaanpassung.

